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    Auf dem Grat zwischen Chefsessel und Präsidiumssitz

Auf dem Grat zwischen Chefsessel und Präsidiumssitz

Jedes Jahr im März kommt unweigerlich der Tag, an dem ich umschalten muss. Vom Chef-Modus in den Vizepräsidenten-Modus.

Wer denkt, dass das nicht so schwierig ist, weil beides was mit „unternehmen“ zu tun hat, der war noch nie Vizepräsident.

Ehrenamtlich natürlich. Damit es noch ein wenig mehr weh tut in der Unternehmerseele. Dabei werden die Zweifel an der Effizienz, Effektivität wie auch Produktivität schon gesät, wenn man sich zum Eintritt in einen Verband durchringt.


BDIU - der Bundesverband Deutscher Inkassounternehmen


Bei mir war es der BDIU, dem ich nicht widerstehen konnte. Der Bundesverband Deutscher Inkasso Unternehmen. Warum? Ganz einfach: Weil ich es leid war, mir alle schlechten Witze über unseriöse Inkasso-Unternehmen weiterhin unkommentiert anhören zu müssen.

Jetzt retourniere ich meist mit dem Verweis, dass UNIVERSUM Mitglied im BDIU ist und ich persönlich dort den Platz des Vizepräsidenten einnehme. Dann ist im Normalfall erst einmal Schluss mit den üblichen Frotzeleien.

Als Zugabe erwähne ich dann noch, wie stolz ich auf diesen Job als Inkasso-Unternehmer bin. Wobei ganz ehrlich, wenn ich von Dritten gefragt werde, was ich mache, antworte ich normalerweise lapidar, dass ich in einem Inkassounternehmen in Frankfurt arbeite. Das es mein Unternehmen ist und ich darüber hinaus noch im Präsidium des Verbandes aktiv bin, erzähle ich meistens später bzw. spätestens dann, wenn es zu besagten, schlechten Witzen kommt.

Das ist aber nicht der einzige Grund. Beim Eintritt in den Verband dachte ich mir noch: Wenn schon, dann richtig. Jetzt hat mittlerweile auch der Verband sich gedacht: Wenn schon, dann richtig. Deshalb ist das mit dem Ehrenamt auch gar nicht mal so eben auf die leichte Schulter zu nehmen. Schließlich betreibt der BDIU politische Lobbyarbeit und gestaltet so aktiv die gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen im Inkassobereich mit.

Das geht von der Datenschutzgrundverordnung, die aktuell ja in aller Munde ist, bis hin zur Reform der Sachaufklärung oder auch dem Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken. Wobei ich als Vizepräsident natürlich in jedes dieser Themen und Projekte eingebunden bin. Viel Arbeit, aber eben auch entsprechendes Mitspracherecht. Zumindest innerhalb des Verbandes. Auf die Politiker die über Gesetze entscheiden, haben wir ja bekanntermaßen nur bedingt Einfluss.


Digitalisierung - der Weg in die Zukunft


Ganz besonders gern treibe ich in meiner Position die Digitalisierung des Verbandes voran und unterstütze nach Kräften den eingeschlagenen Weg vom „abtauchen und nicht auffallen“ hin zum „tue Gutes und spreche darüber“, oder wie man immer so schön sagt: „Reden hilft“.

Schließlich waren Inkassounternehmen einst verschwiegene Firmen, die gern im Halbschatten agierten. Heute geht es mehr darum, die Funktion eines seriösen Inkassounternehmens als wichtiger „Enabler“ eines funktionierenden Wirtschaftskreislaufes zu kommunizieren und Öffentlichkeit wie auch Politik über unsere unternehmerischen Leistungen und Wirtschaftsbeiträge zu informieren.

Alleine die im BDIU organisierten ca. 560 Inkassounternehmen führen dem Wirtschaftskreislauf ca. 5 Mrd. Euro durch ihre Arbeit zu und ohne Inkassounternehmen würde der allgemeine Wirtschaftskreislauf erheblich gestört. Entweder würde ein Anteil an Käufern ohne weitere Konsequenzen zu Schuldnern und damit wäre ein nicht unerheblicher Anteil an Händlern schlichtweg finanziell überfordert. Sprich: Es gäbe weniger Wettbewerb bei den Händlern.

Oder alle Händler würde gleichsam die durch Schuldner erlittenen Verluste in ihre Kalkulation integrieren und wir alle müssten mit deutlich höheren Preisen und Kosten rechnen. Insofern haben wir als Inkassounternehmen schon eine Schlüsselposition im Wirtschaftskreislauf einer Gesellschaft.

Diese Tatsache wie auch detaillierte Infos gilt es also, für einen Verband wie den BDIU zu kommunizieren. Mit und bei allen möglichen relevanten Zielgruppen, wie z.B. dem Bundesministerium Justiz und Verbraucherschutz, dem Deutschen Gerichtsvollzieher Bund e.V., dem Berufsverband der Insolvenzverwalter in Deutschland, den vielzähligen Schuldnerberatern und eben auch den Verbraucherschützern.


Der BDIU - ein vielfältiger Verband


Das bedeutet für mich ganz persönlich: Neben diversen Präsidiumssitzungen, auf denen wir unseren jeweils aktuellen, fachlichen Input als Verband bei verschiedenen Gremien des Bundestages diskutieren, gibt es unzählige Telefonkonferenzen und Veranstaltungen mit Politikern und Dienstleistern der Branche wie auch mit den  europäischen Partnerverbänden im Rahmen der Fenca (europäischer Inkasso Dachverband).

Alleine die Anfragen des Bundestages im letzten Jahr haben uns als Verband und damit auch mich als Vizepräsident ganz schön auf Trab gehalten. Dazu unsere eigenen Verbandsausschüsse wie den BDIU Rechtsausschuss, den Gerichtsvollzieherausschuss, den Weiterbildungs-Ausschuss, den Kommunikations-Ausschuss und den Datenschutzausschuss in dem auch unser Datenschützer vertreten ist. Ausschüsse über Ausschüsse – und ehe man sich versieht, ist man drin in der Verbandsmühle.

Der geneigte Leser erkennt spätestens hier: Ich könnte noch Stunden so weiterschreiben. Man verliert sich eben schnell in den unergründlichen Strukturen eines Verbandes. Auf der anderen Seite muss man aber zugestehen, dass es im Leben immer um Kompromisse geht. Diese auch bei vielen Beteiligten – hier den zahlreichen Inkassounternehmen – zu finden, ist eben nicht ganz einfach und manchmal auch langwierig.

Nicht mitzugestalten ist dabei aber der größere Fehler. Zumal wir mit der UNIVERSUM Group als Meinungs- und Marktführer der Branche unserer Verpflichtung für die Gesamtbranche eben auch nachkommen wollen.

Deshalb ist es auch immer ein weinendes und ein lachendes Auge, wenn der Verband ruft und ich in den Vizepräsidenten-Modus wechsele. Der Unternehmer in mir sagt dann: Was unternehmen wir pragmatisch heute? Die präsidiale Seele hingegen geht in den Beobachtungsmodus und wägt gut ab, bevor eine Empfehlung ausgesprochen wird.

Dieser Blog wiederum ist ja kein Verbands-Instrument. Hier können Sie ganz pragmatisch kommentieren, diskutieren und Ihre Meinung sagen. Mit oder ohne abzuwägen – das bleibt ganz Ihnen überlassen. Nur wie ich antworte, das ist Modus-abhängig. Das wissen Sie jetzt. Oft antwortet der Unternehmer – manchmal aber auch der Vizepräsident.

Mit präsidialen Grüßen

Ihr Axel Kulick

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