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    Ich kauf einfach nix mehr online ...

Ich kauf einfach nix mehr online ...

Grundsätzlich hinken wir in Deutschland ja gar nicht so sehr hinterher, bei der digitalen Revolution. Gut, unsere Bandbreiten sind im internationalen Vergleich weniger als mäßig und mit Platz 25 im weltweiten Ranking sind wir halt eher langsam unterwegs, aber dafür nutzen wir recht fleißig E-Commerce-Plattformen.

Da sind wir mit 79 % Anteil an E-Commerce-Käufern deutlich besser als der internationale Durchschnitt, der nur bei 60 % liegt. Recht so, denn wir sollten uns nicht mit Durchschnitt zufriedengeben. Das tun wir ja auch im Job nicht. Bei Marktplätzen für Essenslieferungen haben wir Deutschen allerdings auch noch Nachholbedarf, laut einer aktuellen Studie von Stripe. Anders ausgedrückt: Die Schweden, Finnen, Norweger, Dänen, Niederländer und Schweizer – ganz abgesehen von den asiatischen Tigerstaaten – sind schneller im Netz unterwegs und lassen gern Essen liefern, während es bei uns aber prozentual mehr Menschen gibt, die gern im Internet einkaufen und dabei kochen.

Soweit, so gut. Jetzt gilt aber die neue Datenschutzgrundverordnung, die vorschreibt, dass wir alle ab sofort viel besser achtgeben auf persönliche Daten. Find ich grundsätzlich gut, dazu schlagen aber immer zwei Herzen in meiner Brust. Wer diesen Blog aufmerksam liest, wird wissen, dass ich einerseits ein großer Verfechter von Datenschutz bin, andererseits aber auch um die Vorteile datenbasierten Marketings bzw. automatisierten Prozessen durch Dateninterpretation bin. Unser FlexiPay® Angebot des abgesicherten Kaufs auf Rechnung im E-Commerce würde ohne Datenabgleich gar nicht funktionieren. Aber das habe ich ja hier schon hinlänglich beschrieben.

Die neue Datenschutzgrundverordnung ist da für uns auch gar nicht so das große Problem, da für uns der verantwortliche Umgang mit personenbezogenen Daten eben schon immer zum Tagesgeschäft gehörte. Vielmehr verunsichert die neue Datenschutzgrundverordnung unsere Kunden und deren Kunden. Schließlich bleibt bei der neuen Verordnung viel Raum für Interpretationen. Deshalb schickt der eine seinen Kunden eine Mail mit einer grundsätzlichen Information und der Ansage, dass alles so bleibt, wenn man nicht widerspricht. Der Nächste möchte aber lieber eine weitere doppelte Bestätigung mit Rückantwort haben, bevor mein Kundenkonto weiterhin zum schnellen Einkauf per Click nutzbar bleibt. „Was denn nu?“ frag ich mich, zumindest als Kunde.

Durch die geschaffene Verunsicherung werden nun E-Mail-Newsletter-Empfänger und E-Commerce-Kunden deutschlandweit mit Mails bombardiert. Hier klicken – da zustimmen - oder eben direkt ganz neu registrieren. Das wird meiner Meinung nach Kunden kosten. Und zwar eine ganze Menge. Denn der ein oder andere Händler wird seine Werbung einstellen oder zumindest fürs Erste massiv zurückfahren. Warum? Nun, der Werbemarkt hat sich gewandelt und die Aussteuerung von Werbung über Nutzerinteressen wird immer relevanter und damit weniger störend. Jetzt rückt das sogenannte Tracking aber ins Visier der Datenschutzgrundverordnung und die Händler stellen ihre Werbeaktivitäten erst einmal ein. Schließlich will keiner mit irrelevanten Werbebotschaften nerven ...

Die Konsequenz daraus wird nicht nur der temporäre Rückgang des digitalen Werbemarktes sein. Übrig bleiben auch E-Commerce-Händler mit entsprechenden Umsatzeinbrüchen. Denn viele Verbraucher werden die Chance nutzen, und viele einmal erteilte Einwilligungen zurückziehen, bzw. einfach nicht die angefragten Bestätigungen erteilen mit der Konsequenz, keine Werbung und Informationen mehr zu erhalten, was wiederum zu einem fehlenden Kaufimpuls führt.

Ich muss gestehen, auch ich habe einige Newsletter einfach abbestellt und mich nicht nochmals registriert, wenn es nicht zu meinen Standard-Onlineshops gehörte. Ganz nach dem Motto: Wer fragt, verliert.

Gewinner werden wiedermal die Großen sein. Amazon, Google & Co., die grundsätzlich ihre Server mal nicht in der EU stehen haben und damit auch nicht unter die Datenschutzgrundverordnung fallen. Sie belassen es bei einer schnöden Info-Mail, dass man sich um meine Daten sorgt und deshalb alles tun wird, um meine Daten auch zukünftig zu schützen. Fertig. Kein Klick notwendig – keine Bestätigung – einfach weiter einkaufen, während das ein oder andere deutsche E-Commerce-Start-Up seine komplette Kundendatei aus Vorsicht geschreddert hat und nun von vorne anfängt, Kunden zu akquirieren.

Zu guter Letzt sind dann auch noch die Endkunden völlig verunsichert. Wer will was mit meinen Daten – und stellt was genau damit an? Tracking, Retargeting, Scoring, Profiling – alles Teufelszeug. Da bleibt dann oft der Ausweg, einfach mal nicht mehr mitzumachen in der schönen neuen digitalen Welt. Oder anders ausgedrückt: Ich kauf einfach nix mehr online ...

Konsumpause durch Datenschutzgrundverordnung? Schön, dass die Politiker über mündige Bürger reden, dann aber uns die Entscheidungen durch komplizierte und teilweise offen interpretierbare Grundverordnungen abnehmen und Dinge verschlimmbessern. Oder glauben wir tatsächlich, dass der Gesetzgeber sich mit der Datenschutzgrundverordnung ein gesellschaftspolitisches, spirituelles Ethik-Ziel der Konsumpause auf die Fahne geschrieben hat?

Ich glaube kaum. Hoffe aber, dass bald wieder ein Stück Normalität einkehrt in der aktuellen Debatte.

Mit bestem Gruß in heute mal gedämpfter Kauflaune,

Ihr Axel Kulick

Kommentare (1)
  • Martin Paffenholz
    am 12.07.2018
    Super Artikel!
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