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    „Vertrag“ kommt von „Vertragen“

„Vertrag“ kommt von „Vertragen“

Gleich mal vorweg: Bei allen Verträgen, die ich in meinem Leben gestaltet und geschlossen habe, ist mir bewusst geworden, dass ich mich besser mit den dafür zuständigen Rechtsanwälten vertragen sollte.

Insofern ist das obige Sprichwort schon ganz richtig. Denn nichts ist komplexer als ein Vertrag, und je mehr Rechtsanwälte mitreden umso komplizierter wird ein Vertrag.

Woran das liegt? Nun -  gute Verträge sind oftmals entscheidend für den Erfolg einer Transaktion und regeln das Binnenverhältnis von uns und unseren Partnern. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Was wiederum an unseren komplexen Leistungen und Angeboten liegt, die sich nicht immer inklusive aller voraussehbaren Eventualitäten exakt in Worte formulieren lassen. Somit wird dann ein Vertrag recht schnell „unvollständig“, weil es Regelungslücken oder auch sehr allgemein gehaltene Pflichten gibt, welche eine auch nicht zu unterschätzende vertragliche Flexibilität gewährleisten.

Des einen Freud ist dabei des anderen Leid. Denn während man einerseits natürlich die Flexibilität von sogenannten „relationalen Verträgen“ zu schätzen weiß, möchte man andererseits auch gern „wasserdichte Verträge“ schließen. So wasserdicht bestenfalls, dass wir im letzten Zweifel sogar Dinge vertraglich festhalten, die schon längst gesetzlich geregelt sind. Nichtsdestotrotz habe ich aber gelernt, dass sich selbst auf Biegen und Brechen nicht immer für alle Arten von Transaktionen „wasserdichte“ Verträge schaffen lassen.

Wenn es zum Beispiel um einen einfachen Einkauf geht, das Produkt bekannt ist und die Umweltbedingungen überschaubar, lässt sich das in einem Pflichtenprogramm recht genau beschreiben. Geht es aber um Kooperationen und Zusammenarbeitsvereinbarungen, ist das dafür nötige gute Verhältnis der Vertragspartner untereinander viel wichtiger als jede letzte juristische Finesse. Denn letztendlich ist eine Kooperation eines Vertragspartners nur unter erheblichen juristischen Mühen erzwingbar. Deshalb gilt für mich schon lange: Je unsicherer das Kommende, desto unvollständiger ist der Vertrag und desto wichtiger ist das Parteiverhalten außerhalb des Vertrages.

Zugegeben, damit entsteht Raum für opportunistisches Verhalten. Aber das heißt jetzt auch nicht, dass vertraglich geregelte Leistungen plötzlich in einem Regelungsvakuum stattfinden. Zum einen existieren neben den rechtlich erzwingbaren Bestimmungen informelle Normen, die eine gewisse Bindungswirkung entfalten: Loyalität, Branchengepflogenheiten, Image etc. Allerdings ist eine Steuerung in diesem Bereich, wenn überhaupt, nur sehr begrenzt möglich.

Deshalb gibt es für mich zum anderen nur eine wirksame Option, um einseitiges, opportunistisches Verhalten zu reduzieren: Vertrauen! Vertrauen in unsere sorgsame Auswahl der richtigen Partner sowie Vertrauen in die dann geschlossenen Partnerschaften. Zugegeben, das wird nicht immer zu 100% mit Erfolg belohnt. Aber mit fortschreitender Erfahrung und dem richtigen Händchen werden die Enttäuschungen aus missbrauchtem Vertrauen weniger. Sehr viel weniger.

Kommt es dann trotz guter Auswahl und viel Vertrauen doch einmal zu Unstimmigkeiten, muss man wissen, dass Verträge nicht immer gleich wirken. Unumstritten ist, dass eine auf Vertrauen basierende Zusammenarbeit deutlich effektiver ist als eine, die durch Misstrauen und Kontrolle geprägt ist. Freilich spricht dies nicht generell gegen ein ausformuliertes Vertragskonzept. Da Verträge unter unterschiedlichen Bedingungen unterschiedliche Wirkungen entfalten, muss die Art des Vertrages aber zu der konkret betrachteten Parteibeziehung passen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Relevanz des Vertrages nicht immer für alle Vertragsparteien konstant ist.

Denn im Verlauf von komplexen Transaktionen reduziert sich nun mal die formelle Bindungswirkung im Verlauf der Abwicklung immer mehr zugunsten informeller Kooperationsmechanismen. Für länger bestehende Kooperationen gilt wiederum, dass Verträge mit generischen Regelungen zunehmend durch solche mit konkreten Bestimmungen ersetzt werden können. Fazit: Ein einmal geschlossener Vertrag – so komplex er beim Erstellen schon war – birgt häufig weiteren Optimierungsbedarf. Ob informell in der Umsetzung des Vertrages oder sogar strukturell bei der Anpassung der vertraglichen Regelungen.

Das heißt ganz pragmatisch ausgedrückt: Je geringer die Regelungskapazität des Vertrages und je höher die Konfliktträchtigkeit der Transaktion ist, umso wichtiger wird entweder das Beiehungsmanagement zum Vertragspartner ODER das Beziehungsmanagement zum vertragsrechtlich betreuenden Rechtsanwalt.

Denn auch wenn Vertrag von Vertragen kommt, von alleine kommt es eben auch nicht immer – das Vertragen. Umso wichtiger ist es dann, sich mit seinem Rechtsanwalt zu vertragen. In allen Belangen bis hin zum Honorar. Denn – auch das habe ich schmerzvoll gelernt - Nichts ist im Ergebnis teurer, als ein unverträglicher, weil schlecht bezahlter Rechtsanwalt.

In diesem Sinne, bleiben Sie uns gewogen - und verträglich ;-)

Ihr Axel Kulick

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