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    Warum wir was unternehmen – ständig

Warum wir was unternehmen – ständig

So langsam aber sicher nerven sie, die Urlaubsanträge. Nicht etwa, weil ich den Kollegen keine Ferien gönne. Mitnichten, denn ein erholter und gut gelaunter Mitarbeiter ist ein motivierter Mitarbeiter.

Dafür geb‘ ich gern Urlaubsanträge frei. Aber wenn man selbst mal wieder so schlau war, seine Ferien so weit wie möglich nach hinten zu schieben, weil ja immer irgendein guter Geschäftsgrund dazwischen kommt, stellt sich auch beim motiviertesten Unternehmer eine kontinuierlich ansteigende Urlaubsreife ein. Dazu kommt, dass die Kollegen natürlich nicht nur Anträge einreichen, sondern ihre Urlaube auch tatsächlich realisieren. Als Unternehmer grundsätzlich schwer für mich zu verstehen, gibt es doch nichts Schöneres als einen Arbeitsplatz bei der UNIVERSUM Group, oder?

Anyway, die Kollegen verdünnisieren sich einer nach dem anderen in die Sommerferien, während ich – gefühlt alleine – den Laden hier am Laufen halte. Selbst gewähltes Schicksal, könnte man jetzt denken. Wird der Situation aber nicht gerecht. Schließlich trifft es meine Unternehmerseele doppelt. Erstens soll ich freiwillig von mir bezahlte Arbeitstage frei geben und zweitens dann auch noch die entsprechend fehlende Unternehmensproduktivität ausgleichen. Das hatte ich mir anders vorgestellt – damals, als ich mich fürs Unternehmertum entschieden habe.

Dabei war mir schon bewusst, dass „selbstständig“ sich aus den Wörtern „selbst“ und „ständig“ zusammensetzt. Schließlich lebe ich ja nah nach genau dieser Devise und unternehme eben gern und ständig etwas. Insbesondere nach Geschäftsschluss können unternehmerische Ambitionen ganz besonders effektiv sein. So habe ich die besten Deals und Geschäfte in meinem Leben selten während der üblichen Geschäftszeiten in einem Meetingraum eingefädelt. Meistens waren es Begegnungen außerhalb des Büroalltags und jenseits der Bürozeiten, die vom Kennenlernen über ein Schätzenlernen zu einem partnerschaftlichen und gewinnbringenden Miteinander geführt haben. Schließlich zählt die Unterhaltung auch von Dritten nicht wirklich zu meinen Schwächen.

Spätestens nach einer gewissen Anwärm-Phase kommt bei solchen Gesprächen fast immer die Frage, was ich beruflich so mache…? Mit der Antwort, dass ich ein Inkassounternehmer bin, sind dann die meisten doch stark überrascht, dass die Branche nicht nur Finanz-Spießer oder auch klischeehaft Bomberjacke und Zuhälterallüren zeigt, sondern durchaus normale und sympathische Menschen ernährt. Gerade diese Momente erleichtern dann recht schnell die Kurve von der ersten Kontaktaufnahme hin zu einem seriösen und motivierten Business-Gespräch. Heutzutage wird das neudeutsch „Business-Networking“ genannt. Wobei mir der Begriff zu wenig Empathie vermittelt und zu viel Gier nach Geschäft. Deswegen scheint sich „Business-Networking“ auch nicht jedem vertriebsstarken Unternehmer erwartungsgemäß zu erschließen. Mit Druck und Gier im Hinterkopf lassen sich eben schlecht Beziehungen aufbauen – auch keine Geschäftsbeziehungen. 

Vielmehr geht es als Unternehmer darum, sehr wachsam durch die Welt zu laufen und alle Antennen auf Empfang zu stellen. Erfolgreiche Unternehmer sind ständig in solch einem Modus. Egal ob im Büro, während eines Geschäftsessens, bei kulturellen Veranstaltungen oder eben auch im Urlaub. Unternehmer sind halt interessiert. Bestenfalls unbändig interessiert an Kultur, Sport, Wissenschaften und grundsätzlich an Menschen. Denn nur durch Erkenntnisgewinne lassen sich neue unternehmerische Chancen entdecken. 

Tut sich solch eine Chance auf, gilt es, etwas zu unternehmen. Mit Fokus, Konsequenz und Ausdauer. So wie Marathonläufer oder Extremalpinisten ihr Ziel nie aus den Augen verlieren, so verfolgt ein Unternehmer Chancen. Wobei ich persönlich das Extremklettern und Berglaufen vor ein paar Jahren zugunsten eines eher passiven, aber nach wie vor passionierten sportlichen Geistes aufgegeben habe. Irgendwann werden die Kilos einfach zu viel, die man sportlich bewegen muss ;-) Aber das „Unternehmen“, das werde ich nie aufhören. Das habe ich mir selbst ganz fest versprochen. 

Selbst Urlaub ist also für uns Unternehmer eigentlich nur eine andere Arena, um Neues zu entdecken und was draus zu machen. Deshalb gibt es bei mir weder Familienurlaub ohne Kulturprogramm noch asketische Ferienzeit irgendwo in der Einsamkeit. Vielmehr geht es ums Entdecken. Ums Entdecken, um dann was damit zu unternehmen. Dabei spaziere ich völlig offen durch die Welt und bleibe immer gespannt, welche Begegnungen sich als nächstes ergeben. So habe ich einen unserer Rechtsanwälte als Vormieter einer meiner Wohnungen kennengelernt. Daraus hat sich eine langjährige und vertrauensvolle Partnerschaft entwickelt. Wer weiß, vielleicht wartet ja schon der Chef unseres „nächsten größten Kunden“ an der Poolbar meines nächsten sommerlichen Urlaubsdomizils auf ein intellektuell forderndes, fruchtbar und damit letztendlich für beide Seiten gewinnbringendes Gespräch, um dann anschließend gemeinsam was zu unternehmen? 

Genug der Gründe. Es wird mehr als Zeit, zur Tat zu schreiten und mich selbst“ständig“ in den Urlaub zu verabschieden. Schließlich lässt sich da was unternehmen, statt hier weiterhin zu arbeiten und mich um (nach wie vor für mich völlig unverständlichen) Urlaubsanträge zu kümmern ...  

Mit sommerlichen Grüßen,  

Ihr Axel Kulick

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