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Bargeld - Vorteile, Nachteile, Entwicklung

Bargeld existiert bereits seit dem Beginn der Menschheitsgeschichte. Bereits vor der Antike wurden Münzen geprägt. Noch früher wurden Muscheln oder Steine als sogenanntes Primitivgeld zum Bezahlen genutzt.

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Bargeld existiert bereits seit dem Beginn der Menschheitsgeschichte. Bereits vor der Antike wurden Münzen geprägt. Noch früher wurden Muscheln oder Steine als sogenanntes Primitivgeld zum Bezahlen genutzt.

Auch in den persönlichen Erinnerungen vieler Menschen hat Bargeld einen hohen Stellenwert: Das erste Fünfmarkstück als Geschenk vom Opa für die gute Note, der Glückspfennig, der kurz vor dem Lottogewinn auf der Straße gefunden wurde, das Ausgeben des ersten Taschengeldes für ein paar Gummischlangen.

Mittlerweile gibt es allerdings deutlich mehr Möglichkeiten, Zahlungen am Point of Sale abzuwickeln: Neben Girocard und Kreditkarte sind derzeit Wallet-Lösungen wie Apple- oder Android Pay in aller Munde. Bargeld ist nicht mehr unbedingt notwendig, so dass sich die Frage stellt: Wird es in zehn oder zwanzig Jahren überhaupt noch Bargeld geben – und wenn ja, warum?

 

Bargeld - weshalb steht es unter Druck?

Um zu verstehen, weshalb Bargeld zunehmend unter Druck gerät, lohnt es sich, einen Schritt zurück zu gehen und zu überlegen, was Geld eigentlich ist. Oft wird gerade Scheinen und Münzen ein Wert zugeschrieben, der de facto gar nicht vorhanden ist: Geld hat immer nur den Wert, den die Gesellschaft und damit die Gesamtheit aller Individuen ihm zuschreibt. Somit ist eine Währung nicht mehr als die Dokumentation von Besitz – bei der es egal ist, ob sie Form in Euroscheinen, Zahlen auf einem Konto oder gehorteten Muschelschalen vorliegt.

So wie sich in den letzten Jahrtausenden die Möglichkeiten, Informationen zu speichern, von Kratzspuren auf einer Tonplatte hin zu Bits und Bytes auf einer Festplatte veränderten, haben sich parallel auch die Möglichkeiten geändert, Besitz zu dokumentieren (und zu transferieren) . Dies kann digital viel einfacher, schneller und zeiteffizienter geschehen als auf materieller Ebene – und daher auch kostengünstiger. Zudem bieten die digitalen Verfahren oft einen großen Mehrwert im Vergleich zur Handhabung von Bargeld: Das fängt bei der (vermeintlichen) Sicherheit vor Verlust an und endet bei Bonusprogrammen wie Payback oder Miles&More noch lange nicht.

Durch bargeldloses Zahlen ergeben sich viele Geschäftsmöglichkeiten. Gewinn kann nicht nur durch die Übertragung von Geld und die dafür notwendige Infrastruktur gemacht werden, sondern auch durch eine Stärkung des Konsums oder den Handel mit gesammelten Daten. Das führt zur Bildung einer starken Lobby aus Banken, Fintechs, Händlern und IT-Unternehmen, die – jeweils aus ganz unterschiedlichen Gründen – ein Interesse an der Zurückdrängung von Münzen und Geldscheinen haben und politischen Druck aufbauen.

Andere Länder sind bei der Digitalisierung des Zahlungswesens oft schon wesentlich weiter als Deutschland. Dies hat meist Gründe: Die Vorreiterrolle Schwedens bei den digitalen Zahlmethoden lässt sich  beispielsweise auf die Schwierigkeit zurückführen, abgelegene Regionen zu unwirtlichen Jahreszeiten mit Bargeld zu versorgen.

 

Nur Bares ist Wahres: Diese Vorteile bietet Bargeld

Bargeld hat gegenüber den digitalen Zahlungsmethoden jedoch auch einige schwer zu leugnende Vorteile. So ist es derzeit nur mit Bargeld möglich, komplett anonym Geschäfte abzuwickeln. Auch wenn diese Tatsache politisch immer wieder als Nachteil verkauft wird, unter anderem mit dem Hinweis auf Terrorfinanzierung oder Steuerbetrug: Die Anonymität der Bezahlvorgänge ist ein wichtiges Argument pro Bargeld.

Ein weiterer Pluspunkt von Münzen und Scheinen ist die direkte Kostenkontrolle. Wenn der Geldbeutel leer ist, kann nicht weiter eingekauft werden – die Gefahr, sich zu verschulden, ist relativ gering. Dies ist selbstverständlich auch bei elektronischen Zahlungsverfahren möglich ist, gestaltet es sich per Onlinebanking oder sogar per App doch wesentlich umständlicher.

Damit einher geht das wohl wichtigste Pro-Bargeld Argument: Die Haptik von Münzen und Scheinen. Das Gefühl, einen Wertgegenstand in der Hand zu haben und wegzugeben, kann kein elektronisches Buchungsprogramm der Welt simulieren und vermittelt das Gefühl von Wert wesentlich stärker als eine Zahl auf einem Display. Die Relevanz, welche die Materialisierung von Geld für die Gesellschaft hat, ist an vielen Sprichwörtern wie „Nur Bares ist Wahres“ oder „Wer den Pfenning nicht ehrt, ist den Taler nicht wert“ erkennbar.

Und schließlich ist Bargeld bei Geschäften mit Freunden und Bekannten von unschätzbarem Vorteil. Die Einfachheit, mit der Geld weitergegeben werden kann, lässt sich durch kein Programm der Welt simulieren. Auch elektronische Peer-to-Peer Lösungen, die sich gerade etablieren, setzen für den Benutzer eine gewisse Infrastruktur in Form eines Endgeräts und einer App voraus.

 

Ein hoher Anteil an Bargeldzahlungen: Probleme des elektronischen Bezahlens in Deutschland

In Deutschland werden immer noch 53 Prozent der Transaktionen mit Bargeld durchgeführt.

Dies liegt zu einem großen Teil an einem Henne-Ei Problem: In vielen kleineren Geschäften des alltäglichen Bedarfs wie Bäckereien, Metzgereien oder Kiosken kann gar nicht oder nur sehr eingeschränkt elektronisch bezahlt werden, da diese dies gar nicht oder erst ab einem gewissen Warenwert anbieten. Dadurch wird Bargeld unverzichtbar.

Gleichzeitig haben gerade diese kleineren Geschäfte wenig Interesse, elektronische Zahlungsmethoden anzubieten oder sogar zu promoten, da sowieso jeder Bargeld mit sich führt. Denn die Einführung und Nutzung elektronischer Zahlungsmethoden bringt dem kleinen Händler zunächst einmal zusätzlichen Aufwand: Für ihn entstehen durch Transaktionsgebühren, den Kauf oder die Miete des POS-Geräts und das Disagio Kosten. Zwar verursacht auch Bargeld Kosten - durch Herstellung, Lagerung und Transport. Diese sind aber erstens nicht direkt zu spüren, und müssen zweitens sowieso in Kauf genommen werden – weil kein Ladengeschäft es sich leisten kann, auf Bares zu verzichten (und dies gesetzlich auch gar nicht darf).
 

Bargeldlos


Zum Abschluss eine nicht ganz so steile These: Bargeld wird es auch in 10, 20 oder 50 Jahren noch geben. Der Wunsch, anonym zu bezahlen und etwas „Wertiges“ aus der Hand zu geben, wird nicht komplett verschwinden. Dies ist gut für Deutschland - Bargeld ist auch ein sinnvolles Konkurrenzmodell, an dem sich die digitalen Systeme messen lassen müssen.

Die Bedeutung von Bargeld wird jedoch weiter abnehmen - bis Münzen und Scheine nicht mehr als Inbegriff von Geld gelten, sondern nur noch als ein Zahlungsmittel unter vielen. Dies liegt auch daran, dass die Jahrgänge mit einem hohen Bargeldbewusstsein nach und nach aussterben, während heute neue und innovative Bezahlmethoden für nachfolgende Generationen als völlig normal gelten werden. Wer diesen „Kampf an der Paymentfront“ gewinnen wird, ist völlig offen und von vielen Faktoren abhängig.

 

PS: Viele der Argumente für und wider Bargeld gehen auf die Podiumsdiskussion des UNIVERSUM Business Events 2016 zurück.

 

 

 

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