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    Ratenkauf – Goldgrube für Händler, Schuldenfalle für Konsumenten?

Ratenkauf – Goldgrube für Händler, Schuldenfalle für Konsumenten?

Was ist dran an den Vorwürfen – und macht es für Händler trotzdem Sinn, den Ratenkauf einzusetzen?

Der Ratenkauf ist in Deutschland heutzutage keine Ausnahme mehr, sondern alltäglich: Viele Menschen bezahlen gerade größere Anschaffungen wie Autos oder Möbel gern in mehreren Raten. Im Onlinebereich haben 53 Prozent der Onlineshop-Betreiber den Kauf auf Raten bereits als Zahlungsmethode eingeführt oder denken zumindest darüber nach*.

Gleichzeitig werden dem Ratenkauf und den Unternehmen, die ihn online oder offline anbieten, immer wieder Vorwürfe gemacht: Angeblich verführt er zu unkontrolliertem Konsum und sorgt dafür, dass Menschen über ihre Verhältnisse leben. Gleichzeitig soll er für den Endkunden zu teuer, beim gesetzlichen Widerrufsrecht mit Nachteilen verbunden und in Bezug auf die Schufa-Bewertung negativ sein.

Was ist dran an den Vorwürfen – und macht es für Händler trotzdem Sinn, den Ratenkauf einzusetzen?

Verführt der Ratenkauf zum Konsum?

Vorwurf: Der Ratenkauf verführt Menschen zu unüberlegtem Konsum und lockt sie so in die Schuldenfalle.

Wer sich ein Produkt nicht leisten kann, kauft es im Normalfall nicht. Sollte jemand jedoch entscheiden, den gewünschten Gegenstand unbedingt besitzen zu wollen, hat er die Möglichkeit, ein Darlehen aufzunehmen – und so eine Investition zu tätigen, die er ansonsten aufschieben müsste. Ein Ratenkauf funktioniert genauso,  nur dass er für den Kunden wesentlich mehr Komfort bietet: Anstatt zur Bank zu gehen, einen Kredit aufzunehmen und dann mit dem Geld den Kauf zu tätigen, kann er beide Geschäftstransaktionen auf einmal durchführen – im Onlinebereich sogar, ohne die Wohnung zu verlassen.

Dass sich dadurch die Möglichkeit bietet, über die eigenen Verhältnisse zu leben und für Fernseher, Smartphone und Co. mehr Geld auszugeben, als im Haushalt vorhanden ist, ist schwerlich zu bestreiten. Aber was ist beispielsweise mit einem Studenten, der einen neuen Laptop benötigt und diesen nur auf Raten finanzieren kann? Hätte er die Möglichkeit der Ratenzahlung nicht, müsste er den Kauf aufschieben - und wäre in der Zwischenzeit ineffizienter beim Studieren, einer Investition in seine eigene Zukunft.

In Europa leben wir in einem freiheitlich organisierten Wirtschaftsraum, der jedem Individuum die Möglichkeit gibt, den eigenen finanziellen Möglichkeiten gemäß zu konsumieren. Die Tatsache, dass nicht jeder mit dieser Freiheit auch umgehen kann, sollte kein Grund sein, sie grundsätzlich in Frage zu stellen. Nur weil viele Autofahrer durch unvorsichtiges Fahren regelmäßig Unfälle verursachen, werden Autos ja auch nicht verboten.

Endkunden mit einer problematischen finanziellen Situation werden auch durch die Bonitätsprüfungen, die vor dem Abschluss eines Kaufes von den meisten Onlinehändlern durchgeführt werden, geschützt. Wird hier eine schlechte Kreditwürdigkeit ermittelt, wird ein Ratenkauf (ebenso wie alle anderen unsicheren Zahlungsarten) abgelehnt, um den Händler vor Zahlungsausfällen zu bewahren.

Falls dieser eine dynamische Zahlungsartensteuerung wie FlexiPay® Verify&Pay einsetzt, bekommt der Endkunde automatisch nur die zu seiner Bonität passenden Zahlungsarten angeboten.

Ein Ratenvertrag ist mit rechtlichen Nachteilen verbunden

Vorwurf: Ein Ratenkauf beinhaltet ein eingeschränktes gesetzliches Widerrufsrecht

Verbraucherzentralen weisen oft darauf hin, dass der Kauf auf Raten mit rechtlichen Nachteilen verbunden ist. Dies bezieht sich jedoch zumeist auf 0%-Finanzierungen, bei denen es kein gesetzliches Widerrufsrecht gibt, welches zumindest im Onlinehandel ansonsten gültig ist. Zudem werden hier oft zwei verschiedene Verträge abgeschlossen: Ein Kaufvertrag mit dem Händler und ein Darlehensvertrag mit einer finanzierenden Bank. Problematisch kann hier sein, dass – sollte das gekaufte Produkt Mängel aufweisen - die Raten trotzdem weiterbezahlt werden müssen.

Allerdings hat der Kunde dem Händler gegenüber natürlich die gesetzlichen Gewährleistungsrechte, so dass er im Vergleich zu einem normalen Kauf, bei dem er den gesamten Preis vorab zahlt, rechnerisch sogar im Vorteil ist.

Beim Ratenkauf wird nicht unbedingt das günstigste Produkt gekauft

Vorwurf: Die auf Raten gekauften Produkte wären woanders billiger gewesen

Oft wird der Ratenkauf von Menschen genutzt, die aufgrund eines finanziellen Engpasses den gewünschten Gegenstand nicht sofort komplett bezahlen können. Diese Käufergruppe hätte eigentlich ein besonderes Interesse an einem möglichst geringen Preis, kann es sich aber nicht leisten, diesen direkt komplett zu bezahlen. Sie muss daher den Ratenkauf nutzen und dasselbe Produkt eventuell zu einem höheren Preis kaufen.

Allerdings ist das Angebot des Ratenkaufs zunächst einmal ein Service, den ein Shop seinen Kunden anbietet. Und für einen Service Geld zu verlangen – beispielsweise über einen höheren Preis – ist gerechtfertigt und liegt überdies im Ermessen des Händlers. Denn dieser muss sein Angebot ständig neu austarieren: Ist sein Preis zu niedrig, macht er Verlust, ist er zu hoch, wird niemand bei ihm einkaufen. Am Ende handelt es sich um eine freie Entscheidung, was, wann, wo und wie gekauft und verkauft wird.

Wer viel auf Raten kauft, ruiniert sein Schufa-Rating

Vorwurf: Wer gleichzeitig zahlreiche Ratenverträge laufen hat, bekommt Probleme, wenn er sich in dieser Zeit um ein größeres Darlehens beispielsweise für einen Haus- oder Wohnungskauf bemüht.

Aus Bankensicht ist diese vorsichtige Herangehensweise auch sinnvoll. Wenn jemand selbst kleine Beträge von wenigen hundert Euro regelmäßig finanzieren muss, ist die Gefahr eines Zahlungsausfalls bei einem Großkredit natürlich eher gegeben. Für den Verbraucher ist die Situation trotzdem ärgerlich.

Die Problematik existiert aber nur bei Ratenfinanzierungen, bei denen ein Darlehensvertrag mit einer Bank geschlossen wird, da diese der Schufa gemeldet werden müssen. Wird der Ratenvertrag wie beim FlexiPay® Ratenkauf nur zwischen Händler und Kunde geschlossen, wird der Schufa lediglich die Handelstätigkeit gemeldet, nicht aber die Tatsache, dass etwas auf Raten gekauft wurde. Die Meldung an die Schufa oder an eine andere Auskunftei geschieht hier erst bei einem Zahlungsausfall. 

Der Ratenkauf - das Fazit:

Es ist sinnvoll, den Ratenkauf neutral und ohne ideologische Scheuklappen zu betrachten. Für Händler bietet er den Vorteil, zusätzliche Kunden anzulocken - die im Rahmen des Ratenkaufs überdurchschnittlich viel Geld ausgeben. Der durchschnittliche Warenkorbwert ist mit 406 Euro beim Ratenkauf fast 3 Mal so hoch wie beim zweitplatzierten Kauf auf Rechnung.

Gleichzeitig besteht für Händler die Gefahr, dass die zusätzlichen Käufer eine schlechte Kreditwürdigkeit haben und Zahlungsausfälle zur Normalität werden – eine Gefahr, die mit einer guten Bonitätsprüfung und einer Zahlungsgarantie in den Griff zu bekommen ist.

Kunden haben durch den Ratenkauf die Möglichkeit, Anschaffungen zu tätigen, die ansonsten erst in ferner Zukunft möglich wären. Gleichzeitig müssen sie aber darauf achten, dass ihre finanziellen Verhältnisse geordnet sind und sie nicht in die Schuldenfalle stolpern. Diese Freiheit erfordert Verantwortungsbewusstsein – ein Verantwortungsbewusstsein, welches in einer demokratisch organisierten Gesellschaft, die aus mündigen Individuen besteht, auch eingefordert werden darf.

* Quelle: Ibi research, „Umsatzsteigerung und Neukundenakquise waren die Hauptgründe für die Einführung von Ratenkauf“, veröffentlicht von Ecommerce Leitfaden 2015.

 

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