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    FINANZ-NOTFALLMAßNAHMEN

FINANZ-NOTFALLMAßNAHMEN

Der Volksmund weiß „der Teufel ist ein Eichhörnchen“. Soll heißen, Unglücke geschehen immer dort, wo man am wenigsten mit ihnen rechnet und wenn man es am allerwenigsten gebrauchen kann (sofern es da bei Unglücken überhaupt eine Abstufung gibt).

Doch wo es für medizinische Notfälle den Rettungsdienst gibt, steht man bei finanziellen Notfällen zunächst allein dar – und meist ziemlich kopf- und ahnungslos. Die folgenden Tipps sollten Sie sich deshalb im Hinterkopf vermerken. Denn wenn es erst mal soweit ist, man eine teure Rechnung präsentiert bekommt oder den Job verliert, hat niemand die Ruhe, zielorientiert nachzudenken.


ALLES MUSS AN EINEM ORT SEIN


Tatsache ist, dass es in unserem Leben einen gigantischen Berg an Finanz-thematischen Unterlagen gibt. Kontodaten, Verträge für Investitionen, Versicherungen, Kontoauszüge…

Schon in einem normalgroßen Haushalt und besonders unter Berücksichtigung der vorgeschriebenen und sinnvollen Aufbewahrungsfristen kommen dabei Dinge zusammen, die problemlos ein handelsübliches Regal mit Ordnern füllen.

Doch reine Aufbewahrung ist nur die Mindestpflicht. Viel wichtiger für den Finanz-Notfall ist, dass Sie alles schnell griffbereit haben. Am besten in einem einzigen Ordner. Wie das geht? Indem Sie Kopien machen und notieren – schließlich geht es meist nur um einzelne wichtige Daten.

  • Ein Blatt, auf das Sie Konten, ihre Nummern, das Institut und Bevollmächtigte eintragen – samt dazugehörigen Telefonnummern.
  • Kopien von Arbeitsverträgen und Gehaltsabrechnungen.
  • Kopien von Versicherungsverträgen, insbesondere wenn es um Auszahlungen geht.
  • Ein Blatt, auf dem Verbindlichkeiten (etwa Darlehen) mit Beginn- und Ablaufdatum eingetragen sind.
  • Originale von Erwerbs- und Besitzurkunden (Haus, Grundstück, Auto…)
  • Ein Blatt mit den zuständigen Schlichtungsstellen und Ombudsleuten.
  • Ein Blatt mit Auszügen aus Fonds und anderen Einnahmen – immer wieder zu aktualisieren.
  • Ein Blatt mit allen Verträgen, Abonnements usw. samt Abschluss- und Kündigungsdatum sowie Kündigungsfristen und gegebenenfalls Login-Daten für diese Konten.

All das trennen Sie sauber durch farbige Blätter, die Sie am Rand beschriften. Den Ordnerrücken markieren Sie prominent. Und gleich daneben kommen weitere Mini-Ordner (einer für jedes Konto), in die Sie die Kontoauszüge abheften.

Das macht zwar immer ein bisschen Arbeit. Dafür müssen Sie aber im Fall der Fälle nur ins Regal greifen ohne auch nur eine Sekunde mit Suchen zu vergeuden. Und Sie haben gleich alles, was Sie wissen müssen, vor sich.
 

UMSCHULDEN UND ZUSAMMENFASSEN


Mal angenommen, Sie sind selbstständig, etwa in der beliebtesten Branche Deutschlands, und aus irgendeinem Grund bricht von heute auf morgen alles zusammen. Das kann durch ein Feuer passieren oder wenn plötzlich Ihr wichtigster Lieferant Pleite macht.

Über Nacht werden nun auch sämtliche Zahlungen, die Sie privat zu bedienen haben, zu einer regelrechten Flutwelle: Hier einige hundert Euro fürs auf Kredit gekaufte Auto. Da hundert für die Kamera auf Ratenkauf und die neue Küche will auch noch abgestottert werden.

Je mehr derartige Verbindlichkeiten es in Ihrem Leben gibt, desto gefährlicher werden sie in einem Finanz-Notfall aus zwei Gründen:

  1. Es gibt unterschiedliche Abtragungsfristen, Zinssätze usw. Man zahlt also alles zu unterschiedlichen Bedingungen zurück.
  2. Die schiere Menge birgt ein hohes Maß für Unübersichtlichkeit.

Die wichtigste Sofortmaßnahme dagegen ist es, alle bestehenden Verbindlichkeiten zu einem einzigen Kredit zusammenzufassen – das geht im Zweifelsfall auch an den Auskunfteien vorbei, besonders wichtig für Selbstständige.

Der primäre Sinn ist es, einen Kredit aufzunehmen, mit einer festen Kondition, einem monatlich zahlbaren Betrag und damit alles andere abzulösen. Wenn dabei als sekundärer Bonus noch eine insgesamt geringere Belastung herauskommt, ist das natürlich doppelt-gut.

Sie ernten daraus, dass sie sich, ganz gleich, wie lange der Notfall andauern wird, nicht mehr um gleich mehrere „Baustellen“ Gedanken machen müssen, sondern nur um eine einzige.
 

NOTFALL IM NOTFALL


Sparen ist natürlich wichtig. Aber wenn es hart auf hart kommt, ist das, was man an liquiden Reserven besitzt, keine wirkliche Reserve, denn natürlich kann es gepfändet werden – und das, was oftmals als „P Konto“ tituliert wird, also ein pfändungssicheres Konto, ist nur ein ziemlich schwacher Schutz. Allein schon deshalb, weil seit 1. Juli 2019 selbst darauf nur 1178,59 Euro pro Monat geschützt sind.

Natürlich, eines Ihrer Girokonten sollten Sie schon lange vor dem Eintreten finanzieller Schieflagen in ein solches P-Konto umwandeln. Und sofern es in Ihrem Leben möglich ist, sollten sie auch versuchen, jederzeit einen Barvorrat in Höhe von mindestens drei Netto-Monatsgehältern auf der hohen Kante zu haben. Aber zudem sollten Sie weit abseits solcher Finanzreserven vor allem darauf achten, Dinge zu besitzen, die sich auch dann noch planbar zu Geld machen lassen, wenn es ganz hart kommt.

Das ist bereits deshalb eine gute Idee, weil das, was man in Bar hat oder auch nur als Zahl auf dem Bankcomputer sieht, einen schneller dazu verleitet, es auszugeben als eine echte „eiserne Reserve“. Zudem kann auch in einer Finanz-Notlage immer noch mehr Unglück passieren, etwa wenn etwas unvorhergesehen kaputt geht. Doch unter den dafür tauglichen Wertgegenständen gibt es gutes und schlechtes.

Was dafür nicht infrage kommt:

  • Elektronik jeglicher Art. Veraltet viel zu schnell und verliert enorm rasch an Wert.
  • Dinge, die zwar einen Wert haben, aber nur einen enorm kleinen Interessentenkreis – etwa unterschriebene Sammlerstücke, Sondereditionen, Designermöbel und dergleichen.
  • Sachen, hinter denen vornehmlich der ideelle Wert steht – Opas Schallplattensammlung mag zwar ein Familienschatz sein und zusammengerechnet viel Geld gekostet haben. Für andere ist sie jedoch nur eine Ansammlung massenweise verkaufter Tonträger.
  • Nicht allgemein anerkannt wertvolle Dinge. Kritisch besonders bei Kunst, die nicht von breit bekannten Künstlern stammt.

Was dafür infrage kommt:

  • Generell (Echt-)Schmuck, auch Uhren, weil es hier zum reinen Wert oft noch altersbedingte Wertsteigerungen gibt.
  • Edelmetalle, Münzen, Edelsteine und dergleichen.
  • Oldtimer. Allerdings ist das trotz guter Rendite ein sehr schwieriges Feld. Deshalb nur als Ergänzung zu empfehlen.

Dabei geht es nicht um große Summen. Wenn Sie es schaffen, das auf die Seite zu legen, was Ihr Haushalt in zwei durchschnittlichen Monaten an Gesamt-Ausgaben hat, reicht das. Es soll ja nur für den „Notfall im Notfall“ sein.  

Wichtig: All das sollte nur bei seriösen Abnehmern angeboten werden. In Pfandhäusern und dergleichen bekommt man niemals auch nur annähernd den tatsächlichen Wert.


NACH DRINGLICHKEIT BEDIENEN


Jeder von uns hat mehrere finanzielle Verpflichtungen, denen er nachkommen muss. Da gibt es einfach nichts dran zu rütteln, auch wenn man alle Kredite zusammengefasst hat. Und wenn eine finanzielle Notlage eintritt, wird einem jede davon sehr gewaltig vorkommen. Oftmals sogar verzerrt, weil vielleicht einzelne Gläubiger besonders lautstark auf ihr Geld pochen.

Sie werden in einer solchen Situation keinen klaren Kopf haben. Das ist völlig normal. Deshalb empfehlen wir auch, folgende Reihenfolge schriftlich festzuhalten und in den Ordner, den wir im ersten Kapitel erwähnten, einzuheften.

Denn das wichtigste ist, dass man alle Zahlungen so bedient, dass sie einem nicht das Genick brechen.

  1. Zahlungen fürs Wohnen und Wohnnebenkosten sind das Wichtigste. Wer seine Miete nicht zahlt, kann schon bei einer säumigen Monatsmiete gekündigt werden. Das gilt 1:1 auch für etwaige Hausbau-Kredite.
  2. Es folgen offizielle Strafen und Bußen. Werden diese nicht bezahlt, kann es noch umfangreichere Probleme (etwa Haft) mit der Staatsmacht geben. Bitte prüfen, ob hier Ratenzahlungen vereinbart werden können.
  3. Weitere Forderungen begleichen Sie nach Höhe, beginnend mit der teuersten Forderung. Übrige kleinere Beträge können später viel einfacher gestemmt werden.

Ganz wichtig dabei: Auch wenn es verlocken mag, beginnen Sie niemals mit einer Vogelstrauß-Taktik, bei der sie Briefe und eMails nicht mehr öffnen bzw. Telefonanrufe unbeantwortet lassen. Das treibt einen nur noch tiefer in die Problemzone.


BLICK FÜR DAS GANZE ENTWICKELN


In einer finanziellen Notlage werden Sie höchstwahrscheinlich nur das im Blick haben, das wirklich finanziell drückt. Natürlich, das ist auch das gewichtigste Problem. Allerdings sollten Sie nie vergessen, dass viele Kleinsummen sich zu einem großen, störenden, Ganzen auswachsen können.

Handyverträge, Abonnements für Zeitungen, Streaming-Dienste usw. Dazu Fitnessstudio, Clubmitgliedschaften – ein ganzer Berg an Dingen, die vielleicht monatlich nur wenige Euros kosten, jedoch in der Summe Ihre finanzielle Handlungsfähigkeit herb in die Bredouille bringen können.

Hier benötigen Sie natürlich ein gutes Auge. Aber zeichnet sich ab, dass ihre finanzielle Schieflage sich nicht in absehbarer Zeit in Wohlgefallen auflösen wird, sollten sie rasch und überlegt handeln.

Erst kündigen Sie das, was kurze Kündigungsfristen hat. Es steht in Ihrem Ordner. Dann markieren Sie sich im Kalender, zu welchen Terminen die nachfolgenden Dinge gekündigt werden können. Ziel sollte es sein, dass es keine unkontrollierten Abflüsse gibt.

Und natürlich hoffen wir, dass all diese Tipps wie ein Feuerlöscher sein mögen: Gut, dass man sie hat, aber noch besser, wenn man sie nie benötigt.

 

Bildquellen:

1) Fotolia.com © Coloures-Pic #34133584

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