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Inflation frisst Lohnerhöhung - Was ist dran?

Arbeitnehmer erhalten in regelmäßigen Abständen Lohnerhöhungen. Solche Lohnsteigerungen sorgen für mehr Geld in den Geldbeuteln und man kann sich mehr leisten. Auf der anderen Seite gibt es die sogenannte Inflation, die man auch als Teuerungsrate im Bereich der Lebenshaltungskosten bezeichnet.

Sie zeigt sich vor allem an der Verteuerung von Gütern und Dienstleistungen. Bei hoher Inflation werden nach der Meinung von Experten die Lohnerhöhungen teilweise oder sogar ganz aufgefressen.

 

Lohnsituation in Deutschland – arm trotz Vollzeitjob

Eigentlich ist die Gesamtsituation in Deutschland gut, denn die Wirtschaft boomt und die Arbeitslosenzahlen sind auf einem so niedrigen Stand, wie schon lange nicht mehr. Immer mehr Menschen verdienen also ihr eigenes Geld. Trotz guter Lage, einem festen Einkommen durch Vollzeitbeschäftigung und Lohnerhöhungen ist ein wachsender Teil dennoch nur schwer oder gar nicht in der Lage, ohne staatliche Unterstützung für den Lebensunterhalt zu sorgen. Manche müssen mit Hartz IV aufstocken, andere möchten ihre Situation mithilfe eines externen Geldgebers verbessern und wieder andere leihen sich Geld von Verwandten oder Freunden.

 

Gründe für eine hohe Inflation

Es gibt ganz verschiedene Gründe dafür, dass die Inflation steigt und gleichzeitig das Geld an Wert verliert. Die Inflationsrate steigt immer dann an, wenn:

  • die Zentralbank die im Umlauf befindliche Geldmenge erhöht
  • die Bevölkerung mehr Geld zur Verfügung hat und mehr ausgibt
  • die Preise aufgrund der stärkeren Nachfrage steigen
  • die Produktion aufgrund von zu großer Nachfrage nicht ausreichend ist
  • sich aufgrund steigender Löhne oder Energiepreise die Produktionskosten erhöhen

Steigen aber die Preise beziehungsweise die Kosten für die Produktion, dann steigt die Inflation. Dies ist allerdings nur dann der Fall, wenn die Konsumenten nicht die Möglichkeit haben, auf günstigere Produkte oder Dienstleistungen auszuweichen.

 

Preise für Güter und Dienstleistungen – Angebot und Nachfrage

Ein bedeutender Gradmesser für die Inflation sind also die Verbraucherpreise. An ihrer Höhe lässt sich ablesen, wie es um den Wert des Geldes, die Kaufkraft der Konsumenten, die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen und damit um die Inflation insgesamt bestellt ist. Hier spielt auch das Konsumverhalten der Bevölkerung eine wesentliche Rolle. Wird mehr gekauft, wirkt sich dies positiv auf die Produktionszahlen aus. Eine höhere Produktion wiederum sichert Arbeitsplätze, deren Inhaber dann ebenfalls Geld ausgeben können. Im Grunde ist es ein Kreislauf, der durch Angebot und Nachfrage in Bewegung gehalten wird. Bricht eine dieser beiden Seiten weg, hat dies immer negative Auswirkungen auf die andere Seite. Solange eine entsprechende Nachfrage von Seiten der Konsumenten besteht, gibt es ein entsprechendes Angebot. Werden Produkte hingegen dauerhaft nicht mehr nachgefragt, muss der Hersteller seine Preise reduzieren, die Produktion herunterfahren und im schlimmsten Fall Mitarbeiter entlassen.

 

Steigende Energie- und Personalkosten sorgen für höhere Inflation

Zwei Faktoren, die für höhere Inflationsraten und damit für weniger Geld in den Geldbeuteln der Arbeitnehmer sorgen, sind zum einen die stetig steigenden Energiekosten und (so paradox es klingen mag) auch die regelmäßig steigenden Löhne und Gehälter. Wenn die Energiekosten in die Höhe gehen, dann steigen natürlich auch die Herstellungskosten für Güter. Diese will der Produzent nicht selbst tragen und gibt sie über einen höheren Verkaufspreis an die Konsumenten weiter. Die Folge von höheren Preisen kennen wir, eine höhere Inflation. Ähnlich verhält es sich mit der Lohnerhöhung für Mitarbeiter. Auch diese Mehrkosten legt der Arbeitgeber und Produzent in Form steigender Verkaufspreise auf die Konsumenten um. So profitieren die Arbeitnehmer zwar zunächst von einem höheren Lohn, verlieren diesen Vorteil aufgrund der höheren Preise aber zumindest teilweise wieder.

 

Leitzins als Instrument der Inflation

Das wichtigste Instrument des Staates, die Inflation zu beeinflussen, ist der Leitzins, den die Europäische Zentralbank und in ihrem Gefolge die staatlichen Zentralbanken festlegt. Im Augenblick (Stand 2019) bewegt sich der Zins auf extrem niedrigem Niveau. Dies hat zur Folge, dass Banken sich von den Zentralbanken mehr Geld leihen, weil es günstig zu haben ist. Auf diese Weise erhöhen sie die Geldmenge, wodurch sich wiederum die Inflation erhöht. Wird der Leitzins hingegen angehoben, vermeiden Banken neue Kredite bei den Zentralbanken, wodurch die Geldmenge schrumpft und von den Konsumenten weniger ausgegeben wird. Dadurch sinkt schließlich die Inflation. Normalerweise findet in einem Land ein stetiger Wechsel von sinkender und steigender Inflation statt. Nur bei staatlicher Misswirtschaft (wie sie in den 1920er Jahren der Weimarer Republik stattfand oder momentan in Venezuela zu beobachten ist) gerät das Inflations-Gefüge durcheinander und es kommt im schlimmsten Fall zu einer Hyper-Inflation.

 

Zusammenhang zwischen Lohnerhöhungen und Inflation

Warum hängen nun aber ausgerechnet die Inflation und die Löhne der Arbeitnehmer so eng zusammen. Das lässt sich an einem ganz simplen Beispiel zeigen. Man muss sich nur vorstellen, ein Arbeitnehmer erhält aufgrund von Tarifvereinbarungen eine Lohnerhöhung von 3,7 Prozent. Bei einem monatlichen Bruttolohn von 2.500 Euro ergäbe dies eine Lohnerhöhung von 92,50 Euro pro Monat. Wenn nun aber die Inflation bei 2,1 Prozent liegt, muss man diesen Prozentsatz nur von den 3,7 Prozent Lohnerhöhung abziehen. Dann bleiben letztlich noch 1,6 Prozent oder 40 Euro Lohnerhöhung übrig. Beträgt die Inflation hingegen 4 Prozent, dann bleibt dem Arbeitnehmer von seinen 3,7 Prozent Lohnsteigerung nichts übrig und er hat am Ende rechnerisch sogar noch 0,3 Prozent weniger Geld zur Verfügung.

 

Konstante und verantwortungsvolle Lenkung der Inflation

In einem Staat wie der Bundesrepublik Deutschland versuchen die politisch Verantwortlichen, so auf die Inflation Einfluss zu nehmen, dass sie unterhalb der Grenze der Lohnerhöhungen bleibt. Dadurch soll erreicht werden, dass die Arbeitnehmer von ihrem Verdinest leben können und nicht das Gefühl haben, dass sich Arbeit nicht lohnt. Aus diesen Gründen arbeiten die jeweiligen Bundesregierungen eng mit der Wirtschaft zusammen und greifen auch regulierend ein, wenn sich Fehlentwicklungen zeigen. Ein Beispiel war die globale Wirtschaftskrise im Banken- und Finanzsektor im Jahre 2007. Hier war die Stabilisierung durch staatliche Mittel notwendig, um in Schräglage geratene Banken zu stützen und vor der Pleite zu bewahren. Auch dies war damals ein Mittel, um die Inflation unter Kontrolle zu halten.

 

Steuern und Sozialabgaben – sie fressen Lohnerhöhungen ebenfalls

Neben der hohen Inflation, die Lohnerhöhungen auffrisst, gibt es noch weitere „Vernichter“ von Lohnsteigerungen, nämlich die auf Lohn zu zahlenden Steuern und Sozialabgaben. Sie sorgen ebenfalls dafür, dass von einer Lohnerhöhung, die stets auf den Bruttolohn aufgeschlagen wird, im Bereich des Nettolohns kaum noch etwas zu sehen ist. Wer beispielsweise bei einem Bruttolohn von 3.000 Euro einen Steuer- und Abgabensatz von 40 Prozent (fiktiver Wert) hat, der zahlt etwa 1.200 Euro in Form von Steuern und Sozialabgaben an den Staat. Geht man von einer Lohnerhöhung von 3,5 Prozent aus, dann sind das theoretisch 105 Euro mehr im Monat. Bei dem angenommenen Steuersatz bleiben davon aber real nur 63 Euro übrig, weil 42 Euro als Steuer oder Sozialabgabe abgezogen werden. Auch auf diese Weise geht dem Arbeitnehmer ein großer Teil der Lohnerhöhung verloren.

 

Klassische Formen des Sparens lohnen bei hoher Inflation nicht mehr

Viele Arbeitnehmer sind heute kaum noch in der Lage, Geld anzusparen, um so eventuelle Engpässe zu überstehen oder sich einen Wunsch zu erfüllen. So vorteilhaft niedrige Zinssätze für die Inflation sind, so große Nachteile haben sie für Sparer. Wer z. B. seine Lohnerhöhung anlegen möchte, etwa auf einem Sparbuch oder einem Tagesgeldkonto, der erhält dafür pro Jahr kaum noch Zinsen. Wer beispielsweise seine 63 Euro jeden Monat auf ein Tagesgeldkonto legt, der spart zwar jedes Jahr 756 Euro, erhält aber nur zwischen 0,01 und 1,6 Prozent Zinsen per Anno. Das wären also maximal 12,10 Euro an Guthabenzinsen im Jahr. Auch hier sorgt eine hohe Inflation dafür, dass der Sparer auf lange Sicht Geld verliert.  Experten sind der Meinung, dass eine Geldanlage in Form von Einzelaktien oder Aktienfonds der bessere Weg wäre, um Geld so anzulegen, dass es sich auch tatsächlich vermehrt.

 

Bildquelle

Bild 1: stock.adobe.com ©  flytoskyft11 #89774283

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